
Edit Varga – Nachhaltigkeitskoordinatorin. Visionärin. Vermittlerin.
Edit Varga hat die Zukunft im Blick.
Beim Neubau der MHH ist sie dafür verantwortlich, dass das Projekt hohen Nachhaltigkeitsstandards gerecht wird – von der Planung über die Materialauswahl bis hin zum Betrieb.
Seit vielen Jahren beschäftigt sich Edit Varga mit nachhaltigem Bauen und umweltgerechter Planung. Beim Neubau der MHH bringt sie diese Expertise nun in ein Projekt ein, das weit über den Klinikalltag hinaus Wirkung zeigen wird.
Für sie bedeutet Nachhaltigkeit vor allem Zukunftsfähigkeit – und die beginnt bereits bei der Planung.
Wie würden Sie jemandem Ihren Job in 2-3 Sätzen erklären?
Ich berate den Bauherrn und das Planungsteam dabei, das Gebäude nachhaltig zu planen und umzusetzen – als Fachplaner für Nachhaltigkeit. Dafür bringe ich alle Beteiligten an einen Tisch und sorge dafür, dass Nachhaltigkeit beim Bauprojekt nicht nur ein Zusatz, sondern ein selbstverständlicher Teil jeder Entscheidung wird – von der Planung bis zum Betrieb.
Welche Rolle spielen Sie konkret beim Neubau der MHH und an welchen Punkten laufen bei Ihnen die Fäden zusammen?
Beim Neubau der MHH bin ich für die Koordination aller Nachhaltigkeitsthemen verantwortlich. Das bedeutet, ich begleite den gesamten Prozess – von der frühen Planung über die Ausschreibung bis hin zur Ausführung – und stelle sicher, dass die vereinbarten Nachhaltigkeitsziele in allen Fachplanungen umgesetzt werden. Im Wesentlichen betrifft dies die Auswahl und den Einsatz von Baumaterialien und Bauprodukten, das energetische Gesamtkonzept, Klimaresilienz, Komfortaspekte (thermisch, akustisch und visuell) und schließlich den Umweltschutz.
Ein Fachplaner hat einmal über mich gesagt: „Frau Varga hat die besondere Fähigkeit, den Finger immer auf die wunde Stelle zu legen.“ – das habe ich als Kompliment verstanden. Denn genau das ist Teil meiner Aufgabe: zu erkennen, wo in vertrauten Abläufen noch Potenzial steckt, Prozesse und Planungsentscheidungen aus Sicht der Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln.
Nachhaltigkeit funktioniert nur, wenn sie von Beginn an Teil der Planung ist – nicht erst, wenn die wichtigsten Entscheidungen bereits gefallen sind.
Viele Menschen denken bei Nachhaltigkeit zuerst an Energieeffizienz. Was steckt darüber hinaus alles dahinter?
Energieeffizienz ist ein wichtiger Baustein, aber Nachhaltigkeit im Bauwesen umfasst weit mehr. Sie betrachtet den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes – von der Planung über die Materialwahl und Bauweise bis zur Nutzung und späteren Rückbau. Dazu gehören Themen wie Klimaresilienz, d. h. wie gut das Gebäude auf zukünftige Klimaeinflüsse vorbereitet ist, die Ressourcenschonung - also der bewusste Umgang mit Materialien und Flächen, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Nutzer, die Anpassungsfähigkeit und Langlebigkeit der Gebäude sowie Aspekte der sozialen Verantwortung und wirtschaftlichen Tragfähigkeit.
Welche Aspekte sind beim Bau eines Krankenhauses besonders sensibel?
Besonders sensibel sind die Komfortaspekte, da sich in einem Krankenhaus viele gesundheitlich eingeschränkte Menschen aufhalten. Sie haben andere Bedürfnisse, Fähigkeiten und Toleranzbereiche als gesunde Personen, weshalb Themen wie Raumklima, Barrierefreiheit oder Nutzerkomfort hier eine besonders wichtige Rolle spielen.
Gleichzeitig müssen auch die Arbeitsbedingungen des medizinischen und pflegerischen Personals berücksichtigt werden: Eine gute Tageslichtversorgung, angenehme Raumakustik, ergonomische Arbeitsplätze und kurze Wege tragen nicht nur zum Wohlbefinden, sondern auch zur Effizienz und Sicherheit im Arbeitsalltag bei.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche krankenhausspezifische Besonderheiten, die die Planung stark beeinflussen. So wirken sich beispielsweise Hygieneanforderungen unmittelbar auf die Materialauswahl aus, der intensive Geräteeinsatz führt zu höheren Lasten auf die Bauteile, und ein Hubschrauberlandeplatz stellt besondere Anforderungen an Schallschutz und Dachgestaltung. Auch der Energiebedarf einer Klinik liegt deutlich über dem eines Bürogebäudes – daher sind Themen wie Klimaneutralität hier deutlich komplexer und anspruchsvoller zu lösen.
Gab es Situationen, in denen Sie Überzeugungsarbeit leisten mussten?
Nur weil etwas „immer schon so gebaut wurde“, heißt das noch lange nicht, dass es auch der nachhaltigere Weg ist.
Hier ist Überzeugungsarbeit gefragt: die Beteiligten dafür zu gewinnen, über kurzfristige Vorteile hinauszublicken und Entscheidungen zu treffen, die ökologische, soziale und wirtschaftliche Qualität dauerhaft sichern – auch wenn dieser Weg nicht der einfachste ist.
Wir blicken in die Zukunft. Der Neubau ist abgeschlossen. Was wünschen Sie sich für die MHH?
Ich wünsche mir, dass wir für diese wertvolle und hochanspruchsvolle Funktion ein Zuhause schaffen, das in jeder Hinsicht zukunftsfähig ist. Ein Gebäude, das sich flexibel an die sich ständig wandelnden Rahmenbedingungen – wie technologische Entwicklungen oder den Klimawandel – anpassen kann. Zugleich soll das Gebäude verdeutlichen, dass die Ausrichtung auf den Menschen und ein verantwortungsvoller Umgang mit Umwelt und Ressourcen harmonisch miteinander verbunden sein können.