Nachhaltige Krankenhäuser sind ökologisch, wirtschaftlich und sozial ausgerichtet. Dazu gehören energieeffiziente Gebäude, ein Ressourcen schonender Umgang mit Rohstoffen, die Vermeidung von Abfall sowie die Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden. Ziel ist es, die Gesundheitsversorgung so zu organisieren, dass sie langfristig umweltfreundlich, kostengünstig und menschenzentriert bleibt.
Nachhaltigkeit
im Krankenhausbau
Wie hängen Klimaschutz, Medizin und Gesundheit zusammen? Gute Frage: Wussten Sie, dass der Gesundheitssektor ein bedeutender Treiber des Klimawandels ist? Studien wie der Report 'Health Care’s Climate Footprint' (2019) zeigen, warum der Gesundheitssektor dringend seinen Klimafußabdruck senken muss: Rund fünf Prozent der weltweiten Netto-Treibhausgasemissionen macht der Gesundheitssektor aus. Ein. Wäre er ein eigenes Land, läge er damit weltweit auf Platz fünf der größten Emittenten.
Neubauprojekte der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) stellen sich der Verantwortung
Dieser Verantwortung stellen sich nun die beiden Neubauprojekte der MHH und der UMG, denn: Nachhaltige Bauweise und Energiekonzepte reduzieren den ökologischen Fußabdruck maßgeblich. Gleichzeitig tragen nachhaltige Krankenhäuser direkt zu der Gesundheit der Patient:innen und dem dort arbeitenden Personal bei, indem Sie Heilung fördern oder Stress minimieren. Nachhaltigkeit und Gesundheit sind also eng verknüpft.
Erfahren Sie hier, wie und mit welchen nachhaltigen Maßnahmen die Neubeuten der MHH und UMG geplant und umgesetzt werden. Warum umweltfreundliche Krankenhausarchitektur wichtig für das Land Niedersachsen und eine nachhaltige Zukunft sind. Und wie sich Nachhaltigkeit im Baudesign sowohl positiv auf die Umwelt als auch auf das Wohlbefinden und die Genesung auswirken.
Wieso nachhaltige Architektur wichtig für die Krankenhäuser der Zukunft ist
Großteil der Emissionen des Gesundheitssektors hängen mit der Logistik und seinem schnellen Wachstum zusammen. Um künftig dagegen zu steuern, muss Nachhaltigkeit deshalb sowohl bei der Planung, dem Bau und dem späteren Betrieb neuer Krankenhäuser und modernisierten Kliniken wie der MMH und UMG mitgedacht werden.
Moderne Krankenhausarchitektur als Hebel für Nachhaltigkeit
Krankenhäuser zählen zu den energieintensivsten Gebäudetypen weltweit: Ihr Betrieb macht 17 % des globalen Klimafußabdrucks des Gesundheitssektors aus. Der Grund? Krankenhäuser verbrauchen 2–3 Mal mehr Energie pro Quadratmeter als Bürogebäude. Dies liegt an der 24/7-Nutzung, der hohen Dichte an medizinischer Technik und den strengen Hygiene- und Klimatisierungsanforderungen. Viele deutsche Krankenhäuser sind zudem aufgrund ihrer energetisch ineffizienten Bausubstanz besonders problematisch.
Nachhaltige Architektur kann diese Probleme direkt angehen: Durch energieeffiziente Bauweise, den Einsatz erneuerbarer Energien und intelligente Energieeffizienzmaßnahmen lassen sich nicht nur die Emissionen deutlich reduzieren – sondern auch Kosten sparen. Das macht Projekte wie den Neubau der MHH oder der UMG in Niedersachsen zu Vorreitern für eine zukunftsfähige Medizin.
DBHN formuliert frühzeitig Klimaschutz als Leistungsziel
Bereits in dem Entwurf des Organisationshandbuchs der DBHN – der Dachgesellschaft, die für die Steuerung der beiden Großbauprojekte verantwortlich ist - wurde 2020 der Klimaschutz als Leistungsziel aufgenommen – das Werk legt für die Neubauten der beiden Unikliniken der MHH in Hannover und UMG in Göttingen unter anderem Ziele und Abläufe in einer frühen Planungsphase fest. Demnach soll nach Fertigstellung der Bauprojekte der Betrieb der Krankenhäuser CO2- freundlich erfolgen.
Die Umsetzung der klimafreundlichen Maßnahmen wird im Laufe der weiteren Planungen beider Klinikgebäude konkretisiert. Dabei ist zu gewährleisten, dass die vielfältigen Anforderungen an bauliche oder organisatorische Anpassungen in Krankenhäusern die medizinischen und pflegerischen Standards zum Wohle der Patientinnen und Patienten einhalten und nicht beeinträchtigen – sondern bestenfalls sogar unterstützen.
„Nachhaltigkeit funktioniert nur, wenn sie von Beginn an Teil der Planung ist – nicht erst, wenn die wichtigsten Entscheidungen bereits gefallen sind.“
Wie fördern nachhaltige Krankenhäuser die Genesung und das Wohlbefinden?
Ein nachhaltiges Krankenhausdesign und aktives Umweltmanagement beeinflussen die Gesundheit und das Wohlbefinden von Patient:innen und der Mitarbeitenden. Dies kann durch Faktoren wie gute Belüftung, natürliche Lichtquellen und die Verwendung umweltfreundlicher Materialien erreicht werden, welche sich positiv auf die Genesung und die Arbeitsatmosphäre auswirken.
Vorbildfunktion als nachhaltiges Krankenhaus übernehmen
Nachhaltige Krankenhäuser wie die UMG und MHH können eine Vorbildfunktion für die Gemeinschaft übernehmen und das Bewusstsein für Umweltthemen schärfen. Dies kann dazu beitragen, eine nachhaltigere Lebensweise in der Gesellschaft zu fördern.
Die Unikliniken der UMG und MHH profitieren von:
- einer effizienten Energieversorgung und Gebäudenutzung,
- einem schonenderen Umgang mit Ressourcen,
- Prozessoptimierungen und einer hohen Qualität der Bauausführung.
Die beiden Kliniken in Niedersachsen gewinnen dadurch an Attraktivität sowohl für das Personal als auch für die Patient:innen.
Konkrete Nachhaltigkeitsaspekte
für geplante Gebäudekonstruktionen
Bei der Gebäudekonstruktion für die UMG und die MHH wird Wert gelegt auf:
- Schadstoffarme Baustoffe: Für ein gesundes Raumklima
- Modernste Energieeffizienzstandards: Mit erhöhter Wärmedämmung und Dachbegrünung zur Verbesserung der Klimabilanz
- Gesundheitsfördernde Architektur: Hohe Grundrissqualität und Gestaltung nach soziokulturellen Aspekten
- Optimierte Nutzflächen: Effiziente Raumausnutzung
- Innovative Technologien: Einsatz zukunftsweisender Lösungen
- Nachhaltiges Wirtschaften: Steigert Zufriedenheit und senkt Betriebskosten langfristig
Zukunftsfähiges Klinikgebäude mit nachhaltiger Energieversorgung
In den künftigen Kliniken der UMG und MHH sollen alternative Energiequellen zum Einsatz kommen. Viele Krankenhäuser nutzen fossile Brennstoffe für Heizung, Warmwasser oder Notstromaggregate, was zusätzliche Emissionen verursacht. Während Krankenhäuser in Deutschland einen überdurchschnittlich hohen Anteil erneuerbarer Energien nutzen, sind leider noch viele abhängig von Kohle oder Gas. Im Falle der UMG sind für den Neubau den Einsatz von Wärmepumpen, einer Geothermieanlage zur Wärmeversorgung und großflächige Photovoltaikanlagen geplant. Selbstverständlich werden Anlagen für die Wärmerückgewinnung in verschiedenen technischen Bereichen vorgesehen. Darüber hinaus ist für die Spitzenlastbedarfe eine Fernwärmeversorgung geplant.
Klimaschutz in Niedersachsen:
Eine sektorenübergreifende Klimastrategie
Wie wichtig Klimaschutz in Niedersachsen ist, zeigt die Tatsache, dass Klimaschutz auch als eigenes Staatsziel in die Landesverfassung aufgenommen wurde. Bis zum Jahr 2040 soll Klimaneutralität erreicht werden. In dem Niedersächsischen Klimagesetz hat das Land seine Treibhausgas-Minderungsziele gesetzlich festgeschrieben:
- Die jährlichen Treibhausgasemissionen des Landes sollen bis zum Jahr 2030 um 55 Prozent gegenüber 1990 gemindert werden.
- Der Energiebedarf soll bilanziell bis 2040 über erneuerbare Energien gedeckt werden.
- Die Treibhausgasemissionen der Landesverwaltung sollen bis 2030 um 70 Prozent gesenkt werden.
- Die natürlichen Kohlenstoffspeicherkapazitäten sollen erhalten und erhöht werden.
Landesregierung entwickelt sektorübergreifende Klimaschutzstrategie
Um die vorweg erwähnten, ehrgeizigen Ziele zu erreichen, hat die Landesregierung eine sektorübergreifende Klimaschutzstrategie entwickelt. Diese enthält ein umfangreiches, Maßnahmenprogramm rund um die Bereiche Energie und Klimaschutz. Das Programm umfasst ein Finanzvolumen von über einer Milliarde Euro. Es handelt sich damit um das bislang größte Investitionsprogramm für Klimaschutz in Niedersachsen.
Das DGNB-Zertifikat:
Nachweis für mehr Nachhaltigkeit im Gesundheitsbau
Die Kliniken der UMG und der MHH sollen Maßstäbe für eine besonders umweltfreundliche, ressourcensparende, wirtschaftlich effiziente als auch für den Nutzerkomfort optimierte Gebäudeplanung setzen. Um diesen hohen Ambitionen für und Erwartungen an einen nachhaltigen Klinikbau zu untermauern, wurde der Neubau der UMG bei der DGNB zur Zertifizierung angemeldet. Ziel ist der DGNB-Standard Gold – ein international anerkanntes Zertifikat, das nachhaltiges Bauen praktisch anwendbar, messbar und damit vergleichbar macht. Der Neubau der MHH wird ebenfalls bei der DGNB zur Zertifizierung angemeldet werden.
FAQ
Häufig gestellte Fragen zum Thema „Nachhaltigkeit in Krankenhäusern“
Medizinische Einrichtungen wie Kliniken und Krankenhäuser verbrauchen viel Energie und verursachen hohe Mengen an Treibhausgasen. Nachhaltige Bauweisen helfen, diese Auswirkungen zu verringern: sie sparen Kosten, verbessern das Raumklima und passen sich besser an bestehende und zukünftige Herausforderungen des Klimawandel an. Zudem fördern sie eine gesündere Arbeitsumgebung.
Ja, beispielsweise durch schnellere Genesung und ein geringeres Infektionsrisiko. Dafür sorgt eine verbesserte Raumqualität, die durch gute Lüftung, natürliches Licht sowie ein barrierefreies und einladendes Raumdesign entsteht.
Die Klimastrategie des Landes Niedersachsen definiert zwar keine spezifischen Ziele für den Medizinsektor, unterstütz aber nachhaltige Entwicklung die auch im Gesundheitswesen greifen. Dazu gehört die Sanierung von Landesgebäuden, den Ausbau erneuerbarer Energien, Förderung der Elektromobilität im Fuhrpark und nachhaltiger Prozesse wie Abfallmanagement.
Anfangsinvestitionen für nachhaltige Bauweisen sind häufig höher als bei herkömmlichen Methoden. Zudem braucht es spezialisiertes Wissen, um ökologische, wirtschaftliche und soziale Aspekte zu berücksichtigen. Manchmal stehen auch funktionale Anforderungen, wie strenge Hygienevorschriften, im Konflikt mit nachhaltigen Materialien oder Methoden.
Das DGNB-Zertifikat (Deutsches Gütesiegel Nachhaltiges Bauen) ist ein anerkanntes Qualitätssiegel für nachhaltiges Bauen, das von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) vergeben wird. Es bewertet:
- Umweltverträglichkeit (z. B. CO₂-Bilanz, Ressourcen)
- Wirtschaftlichkeit (z. B. Lebenszykluskosten)
- Nutzerkomfort (z. B. Luftqualität, Licht)
- Technische Qualität (z. B. Energieeffizienz)
Die MHH und UMG streben das DGNB-Gold-Zertifikat an – und setzen damit höchste Nachhaltigkeitsstandards um.
Nachhaltige Bauweise kann höhere Investitionskosten verursachen, spart aber langfristig Geld. Das liegt daran, dass die Betriebskosten durch effiziente Energie- und Wassernutzung verringert werden und der Wartungsaufwand durch hochwertige Materialien sinkt. Außerdem können Fördergelder genutzt werden und die Gebäude gelten allgemein als wertstabiler.